Es gibt Orte, die einen sofort erden. Und es gibt Straßen, die einen direkt ins Abenteuer führen. Unser Sommer-Roadtrip im August war genau diese Mischung: Zwei Wochen im Camper, immer der Nase nach – oder besser gesagt: immer den Bergen und dem Wasser hinterher. Von den Julischen Alpen in Slowenien bis hinunter in den Süden und schließlich zu einem unvergesslichen Abschluss in den Dolomiten. Hier nehmen wir euch mit auf unsere Route voller Serpentinen, Sternenhimmel, körperlicher Grenzerfahrungen und diesem unfassbaren Türkis der Soča.

Roadtrip Slowenien

Roadtrip Slowenien 2025

Zwischen Alpen-Gipfeln und dem schönsten Fluss Europas

Es gibt Orte, die einen sofort erden. Und es gibt Straßen, die einen direkt ins Abenteuer führen. Unser Sommer-Roadtrip im August war genau diese Mischung: Zwei Wochen im Camper, immer der Nase nach – oder besser gesagt: immer den Bergen und dem Wasser hinterher. Von den Julischen Alpen in Slowenien bis hinunter in den Süden und schließlich zu einem unvergesslichen Abschluss in den Dolomiten. Hier nehmen wir euch mit auf unsere Route voller Serpentinen, Sternenhimmel, körperlicher Grenzerfahrungen und diesem unfassbaren Türkis der Soča.

Ankommen, Klassiker und erste Gänsehaut-Momente

📍 Basis: Camp Špik (3 Nächte)

Der Startschuss fiel im Camp Špik, und besser hätten wir es nicht treffen können. Schon bei der Ankunft wurden wir von dieser massiven Felswand der Špik-Gruppe begrüßt, die wie eine Festung über dem Platz thront. Die ersten Tage waren der perfekte Mix aus „Touristen-Pflichtprogramm“ und sportlichem Abenteuer.

Natürlich darf bei einem Slowenien-Trip der Klassiker nicht fehlen: Der Bleder See. Wir hatten unseren Besuch gut getimt und waren unter der Woche dort, was ein echter Glücksgriff war. Während es sich an Wochenenden dort oft staut, konnten wir die Kulisse ganz entspannt genießen. Es ist wirklich wie aus einem Märchenfilm – die kleine Insel, die Burg, das Wasser. Wir umrundeten den See zu Fuß bei gutem Wetter und ganz ohne Gedränge. So konnten wir die Magie dieses Ortes richtig aufsaugen.

Am nächsten Tag tauschten wir dann die Wanderschuhe gegen die Pedale. Direkt vom Campingplatz starteten wir mit den Mountainbikes Richtung Peričnik-Wasserfall. Das letzte Stück geht nur zu Fuß – ein kurzer Anstieg, der sich aber tausendfach lohnt: Der Wasserfall ist gewaltig, laut und unglaublich beeindruckend. Man spürt die Gischt förmlich im Gesicht.

Aber wir wollten noch weiter hinein in die Natur. Mit den Bikes radelten wir bis ans absolute Ende des Tals zur Hütte Aljažev dom. Und da war er dann: dieser absolute Gänsehaut-Moment, als wir zum ersten Mal den majestätischen Triglav erblickten. Wenn du am Ende des Tals stehst und zu diesem Riesen aufschaust, weißt du genau, warum du diesen Roadtrip machst.

Über den Pass ins Herz der Berge

📍 Basis: Camp Triglav (6 Nächte)

Nach dem alpinen Auftakt hieß es für uns: Anschnallen für das nächste Abenteuer. Die Anreise ins Trenta-Tal führte uns über den berüchtigten Vršič-Pass. Und was sollen wir sagen? Es war ein absolutes Erlebnis! Bei traumhaftem Wetter – stahlblauer Himmel, strahlende Sonne – schraubten wir uns die unzähligen Kehren hinauf und wieder hinab. Die Aussichten waren grandios, aber die Fahrt verlangte uns (und den Bremsen des Campers) schon einiges ab.

Angekommen im Camp Triglav im Trenta-Tal, wussten wir sofort: Der Weg hat sich gelohnt. Wir ergatterten einen tollen Stellplatz. Ja, der Platz ist rustikaler als das, was man vielleicht von deutschen Parzellen-Plätzen kennt – aber genau das machte seinen Charme für uns aus. Eingebettet in die hohen Berge, fühlten wir uns hier nicht wie Besucher, sondern wie ein Teil der Natur. Es hat uns auf Anhieb gefallen.

Warm-up: Die Quelle des Smaragds Um erst einmal anzukommen, starteten wir am nächsten Tag mit einer entspannten Wanderung zur Soča-Quelle. Wobei „entspannt“ relativ ist: Das allerletzte Stück zur Quelle ist ein kleiner Klettersteig – das hat uns richtig Spaß gemacht und war ein kleiner Vorgeschmack auf das, was noch kommen sollte. Danach ging es noch kurz rüber nach Bovec, um den Kühlschrank aufzufüllen. Denn wir brauchten Energie. Viel Energie.

Der König ruft: Unsere 2-Tages-Tour auf den Triglav

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker früh. Unser Ziel: Der Triglav, der höchste Gipfel Sloweniens. Der Aufstieg zur Planika Hütte (Dom Planika) dauerte gut 8 Stunden. Das Wetter war fast schon zu gut – die Sonne brannte, es war heiß, aber die Landschaft um uns herum entschädigte für jeden Schweißtropfen. Oben angekommen, hatten wir Glück: Wir waren die Ersten im Matratzenlager und konnten uns die besten Plätze sichern. Den Abend auf über 2.400 Metern ausklingen zu lassen, während die Welt unten im Tal versinkt, war magisch. Eine Stimmung, die man nicht kauft, sondern sich erlaufen muss.

Tag 2 startete direkt mit dem Sonnenaufgang. Der letzte Anstieg zum Gipfel ist nichts für schwache Nerven – Schwindelfreiheit ist hier Pflicht! Aber oben am Kreuz zu stehen, mit dieser wahnsinnigen Aussicht über die Julischen Alpen, ist ein Gefühl purer Freiheit. Nach einer kurzen Pause begann dann die eigentliche Prüfung: Der Abstieg. Ganze 11 Stunden waren wir unterwegs zurück zum Camper. Die Hitze setzte uns zu, und wir hielten an jeder Hütte, um Getränke nachzutanken. Zwischendurch sprangen wir zur Abkühlung in einen eiskalten Bergsee – ein Lebensretter! Wir sahen Steinböcke, die uns neugierig beobachteten, und kämpften uns Schritt für Schritt talwärts. Als wir mit Anbruch der Dunkelheit endlich, völlig erschöpft aber überglücklich, am Camper ankamen, wussten wir: Diesen Tag werden wir nie vergessen.

Aktive Erholung am Slap Virje

Am Tag nach diesem Mammut-Marsch wollten wir eigentlich nur eines: Nichts tun. Die Beine waren schwer, der Muskelkater meldete sich. Aber es war einfach zu warm, um nur am Camper zu sitzen. Also entschieden wir uns spontan, mit dem Camper nach Bovec zu fahren, um dort eine „ganz kleine“ Runde mit den Rädern zu drehen. Der Plan war simpel: Ein schönes Plätzchen an der Soča finden und abkühlen.

Auf Google entdeckten wir dann aber den Wasserfall Virje (Slap Virje) und disponierten um. Mit den Rädern war es nur ein kurzer Weg dorthin – zum Glück! Dort angekommen, verschlug es uns fast die Sprache. Es ist ein absolut magischer Ort: Das Wasser fällt fächerartig in ein smaragdgrünes Becken, umgeben von moosbewachsenen Felsen. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, ins eiskalte Wasser zu springen. Es war der perfekte Kälteschock für unsere müden Muskeln.

Premiere im Wildwasser
Auf dem Rückweg waren wir wohl wieder voller Endorphine, denn wir buchten direkt das nächste Abenteuer: Eine Kajak-Tour. Am nächsten Mittag wurde es ernst. Es war mittlerweile brütend heiß, und wir schwitzten schon beim bloßen Gedanken an die Ausrüstung. Trotzdem hieß es: Rein in die dicken Neoprenanzüge! Wer einmal den Zeh in die Soča gehalten hat, weiß warum – das Wasser ist gnadenlos kalt.

Wir hatten riesiges Glück: Wir waren die einzigen Gäste und hatten den Guide ganz für uns allein. Nach einer kurzen Einweisung am Ufer ging es los. Björn war extrem nervös – Kajakfahren war absolutes Neuland für uns. Aber kaum waren wir auf dem Wasser, legte sich die Aufregung. Da die Soča nicht extrem viel Wasser führte, waren die Strömungen und Strudel gut machbar. Es machte einfach nur mega viel Spaß! Besonders die Perspektive ist einmalig: Wenn man direkt auf der Wasseroberfläche treibt und die steilen Felswände an sich vorbeiziehen sieht, wirkt die Schlucht noch gewaltiger. Zurück am Camp gab es nur noch ein schnelles Essen, denn wir mussten packen. Der Wecker war bereits gestellt – für eine sehr unchristliche Uhrzeit.

Der mystische Abschied: Mala Mojstrovka

Unser Plan für den nächsten Morgen: Eine alpine Tour über den Klettersteig auf die Mala Mojstrovka. Der Startpunkt liegt direkt am höchsten Punkt des Vršič-Passes, und da Parkplätze dort oben Goldstaub sind, hieß es: Der frühe Camper fängt den Parkplatz. Um 5:30 Uhr starteten wir den Motor. Und tatsächlich: Obwohl wir nicht die allerersten waren, ergatterten wir mit unserem großen Camper noch eine Lücke direkt oben am Pass. Erstmal frühstücken! Mit Kaffee in der Hand und Blick auf die Berge machten wir uns startklar.

Als wir losliefen, hingen noch Wolken in den Gipfeln, was der Landschaft eine unglaublich mystische, fast geheimnisvolle Stimmung verlieh. Über den Klettersteig ging es steil nach oben. Die Route forderte einiges an Kraft und voller Konzentration, aber genau das lieben wir ja. Oben am Gipfel angekommen, mussten wir uns die Aussicht allerdings teilen – von der anderen Seite führt ein normaler Wanderweg hinauf, sodass es dort oben recht belebt war.

Nach einer kurzen Pause machten wir uns an den Abstieg zurück zum Camper. Auch der Weg nach unten hatte es in sich. Kurz vor dem Ziel sorgte Melanie dann noch für einen Adrenalinschub der anderen Art: Direkt vor ihr auf dem Weg schlängelte sich eine Schlange durchs Geröll! Nach 5 Stunden waren wir wieder am Camper – erschöpft, aber glücklich. Es gab erst mal ein eiskaltes Getränk zur Belohnung, bevor wir den Motor starteten und den Vršič-Pass auf der anderen Seite wieder hinunterrollten.

Flussabwärts in mediterrane Freiheit

📍 Basis: Camp Gabrje (3 Nächte)

Nachdem wir den Vršič-Pass wieder hinter uns gelassen hatten, änderte sich die Kulisse. Wir fuhren ca. eineinhalb Stunden immer der Soča entlang Richtung Tolmin. Je weiter wir kamen, desto sanfter wurden die Berge und die Luft bekam diesen herrlich warmen, fast schon mediterranen Touch. Wir waren auf der anderen Seite des Triglav angekommen. Unser Ziel: Camp Gabrje. Da wir in der Hochsaison unterwegs waren, hatten wir reserviert – und das war auch gut so. Der erste Eindruck war allerdings ein kleiner Schock: Im vorderen Bereich standen die Zelte und Camper dicht an dicht. „Puh, ganz schön voll hier“, dachten wir. Aber wir gaben nicht auf und fuhren das Gelände einfach immer weiter ab, bis ganz ans Ende.

Und plötzlich öffnete sich das Paradies: Ein riesiges Areal, einfach nur eine grüne Wiese. Keine Parzellen, kein Strom, keine Beleuchtung. Da wir mit unserem Camper komplett autark stehen können, war das für uns der Jackpot. Es fühlte sich an wie Freistehen mitten in der Wildnis, direkt am Ufer der Soča. Keine direkten Nachbarn, nur wir und der Fluss. Zu den Sanitäranlagen mussten wir zwar 2 Minuten mit dem Bike radeln, aber für diesen traumhaften Spot nahmen wir das gerne in Kauf.

Vom Elektroboot zum Muskelkater
Nach den harten Bergtouren der letzten Tage ließen wir es hier ruhiger angehen. Am zweiten Tag schwangen wir uns auf die Bikes und radelten entspannt am Fluss entlang Richtung Most na Soči. Dort gönnten wir uns eine Tour mit einem Elektroboot durch den ruhigen Teil der Soča. Es war wunderschön, lautlos über das Wasser zu gleiten und die Natur zu beobachten.

Aber wie das bei uns so ist: Nur Zuschauen reicht uns nicht. Während der Fahrt dachten wir uns: „Eigentlich müsste man hier selbst durchfahren, um das richtig zu erleben.“ Gesagt, getan! Am nächsten Tag liehen wir uns ein Kanu aus. Diesmal ohne Motor, dafür mit eigener Muskelkraft, erforschten wir die Winkel des Flusses noch einmal ganz neu. Es ist schon ein Unterschied, ob man gefahren wird oder sich seinen Weg durch das smaragdgrüne Wasser selbst bahnt.

Teurer Schotter und unbezahlbare Ausblicke

📍 Basis: Parkplatz Auronzo Hütte / Drei Zinnen (1 Nacht)

Am 14. August hieß es Abschied nehmen von Slowenien. Aber wir wollten nicht einfach so nach Hause fahren. Auf dem Rückweg lag noch ein Ziel, das schon lange auf unserer Bucket-List stand. Wir steuerten den mit Sicherheit teuersten Stellplatz an, auf dem wir je waren: Den Parkplatz an der Auronzo Hütte, direkt am Fuß der Drei Zinnen.

Um hier mittlerweile überhaupt noch hochzukommen, muss man früh reservieren. Der Spaß ist nicht billig – man zahlt horrende Preise (aktuell ca. 60 Euro pro 12 Stunden!), und da wir eine große Bergtour planten, mussten wir für 24 Stunden zahlen. Was man dafür bekommt? Einen simplen Schotterplatz ohne alles. Kein Strom, kein Wasser, nichts. Aber was man wirklich bekommt, ist unbezahlbar. Wir hatten riesiges Glück und erwischten den absoluten „Jackpot-Platz“: Erste Reihe, ganz rechts außen. Wir hatten nur einen Nachbarn und vor uns nichts als die gewaltige Bergkulisse der Dolomiten. Tagsüber ist es dort oben natürlich voll, aber je später es wurde, desto mehr kehrte die Ruhe ein. Wir packten schon mal unsere Rucksäcke, denn der Wecker stand auf 5 Uhr. An Schlaf war aber kaum zu denken – der Ausblick fesselte uns zu jeder Sekunde.

Allein auf dem Paternkofel
Der nächste Morgen begrüßte uns mit klarem Himmel, aber frischen Temperaturen. Unser Plan: Der Klettersteig über den Paternkofel (Innerkofler Steig) zur Drei Zinnen Hütte. Dass wir uns so früh aus den Federn gequält hatten, zahlte sich sofort aus. Wir hatten den Gipfel tatsächlich für uns alleine! Ein seltener Luxus in dieser Gegend.
Der Rest der Tour war ein einziger Traum, bis wir schließlich an der Drei Zinnen Hütte auf die Massen der Tagestouristen trafen. Nach insgesamt 7 Stunden waren wir zurück am Camper – und hatten sogar noch Zeit für einen Kaffee mit Aussicht, bevor unser 24-Stunden-Ticket ablief.

Ein Abschied in den Wolken

📍 Basis: Vals bei Bozen / Wilde Kreuzspitze

Eigentlich wäre der Roadtrip hier zu Ende gewesen. Aber wir hatten noch eine Herzensangelegenheit offen. Wir fuhren weiter nach Vals bei Bozen. Hier wartete kein touristisches Highlight, sondern ein ganz persönlicher Weg auf uns. Björn wollte auf die Wilde Kreuzspitze. Es war der höchste Punkt, an dem er je mit seinem verstorbenen Hund Nugget war. Hier oben wollte er einen Teil seiner Asche dem Wind übergeben. Da Hochsaison war, gab es auf dem Campingplatz natürlich keinen Platz mehr. Also hieß es: Improvisieren und Wildcampen. Ein letztes kleines Abenteuer, bevor es emotional wurde. Wir kauften noch schnell ein, füllten die Wasservorräte auf und machten es uns gemütlich. Am 16. August starteten wir wieder sehr früh. Wir kannten den Weg schon, da wir vor einem Jahr mit Nugget im Camper hier waren. Das Wetter spielte mit – allerdings auf seine eigene Art: Es war nicht besonders gut, wolkenverhangen und düster. Aber genau das war perfekt, denn so waren kaum andere Wanderer unterwegs.

1.800 Höhenmeter für Nugget
Der Aufstieg hatte es in sich: 1.800 Höhenmeter mussten überwunden werden. Nach schweißtreibenden Stunden standen wir schließlich beide am Gipfel. In der Stille der Berge konnten wir Nuggets Asche dort oben verewigen. Ein trauriger, aber auch wunderschöner Moment des Abschieds.
Der Rückweg führte uns über die Brixner Hütte. Insgesamt waren wir 9 Stunden auf den Beinen. Wieder unten am Camper, gab es die klassische „Vanlife-Dusche“: Ein Sprung in den eiskalten Bergbach! Erfrischt und mit einem Gefühl von Frieden im Herzen fuhren wir noch ein Stück bis Villach, wo wir übernachteten. Am nächsten Tag ging es dann ohne weiteren Stopp direkt nach Hause.

Unser Fazit:

Zwei Wochen, drei Länder, unzählige Höhenmeter und Momente, die bleiben. Slowenien hat uns mit seiner wilden Schönheit und den entspannten Menschen begeistert. Die Dolomiten haben uns mit ihrer Wucht erschlagen. Und der letzte Gipfel hat uns gezeigt, dass Reisen auch immer ein Weg zu sich selbst (und zu denen, die nicht mehr da sind) ist.

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